Ein ärmlich Stübchen unterm Dach;
Drin lehnt der junge Musikant;
Es streicht der Saiten Zauber wach
Im Bogenzug die schmale Hand.
Das rauscht und flüstert, perlt und singt
Schon seit dem frühsten Morgenlicht:
Ob er´s erreicht? Ob er´s erringt?
Vielleicht - o Gott: vielleicht auch nicht!

An kahler Wand ein Loorbeerkranz,
Der Preis für seiner Jugend Müh´,
Verwelkt nun; stumpf der Blätter Glanz;
Der stolze Kranz, er kam zu früh.
Schier endlos dehnet sich der Gang
Zum Ziel, das höchsten Ruhm verspricht,
Im wird so schwül, im wird so bang:
Vielleicht - o Gott: vielleicht auch nicht!

Beim Loorbeerkranz ein Mädchenbild,
Mit Sternenaugen, gleich der Nacht.
Ein Lächeln weich und gnadenmild
Umschwebt der dunklen Lippen Pracht.
In seine Seele fiel ein Strahl
Von diesem Engelangesicht:
Dereinst - vielleicht dereinst einmal!
Vielleicht - o Gott: vielleicht auch nicht!

Ein roh Geschirr auf rohem Tisch-
Es trug sein kärglich Morgenbrod.
Längst schwand die Wange jugendfrisch;
In hohlen Zügen herrscht die Noth.
Doch einst - dem Ruhm ein Fürstenkleid
Zu weben hält die Welt für Pflicht-
Geduld - vielleicht nur kurze Zeit!
Vielleicht - o Gott: vielleicht auch nicht!

Und hast´ger geigt die schmale Hand,
Und heißer brennt der tiefe Blick-
Das ist der Traum im Wüstensand,
Der Traum von künft´gem Künstlerglück!
Und ob so oft die Hoffnung dorrt,
Wie Kraft im Fieberringen bricht-
Fort lebt das dunkle Marterwort:
Vielleicht - o Gott: vielleicht auch nicht!

Viktor Blüthgen
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